23.11.2017

Logwert startet Forschungsdiskurs in Heilbronn

Wie verändert Mobilität und Logistik die urbanen und regionalen Wertschöpfungsstrukturen? Aber wie verändert sich damit auch das Leben der Menschen? Eine erste Fachkonferenz im Rahmen der Reihe »Logwert-Dialog« versuchte dazu die richtigen (Forschungs-)Fragen zu stellen und erste Antworten zu geben.

Mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und der Dieter-Schwarz-Stiftung betreibt Fraunhofer IAO und die Hochschule Heilbronn seit knapp 2 Jahren das Forschungs- und Kompetenzzentrum »Logwert«. Im Zentrum steht die Frage, wie Innovationen in den Bereichen Verkehr und Logistik das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben verändern und welche Chancen sich daraus für Baden-Württemberg im Allgemeinen und für die Region Heilbronn im Besonderen ergeben.

 

Der Wirtschaftsverkehr steht vor gravierenden Umwälzungen

Unter dem Titel »Logwert-Dialog« werden künftig regelmäßig öffentliche Veranstaltungen in Heilbronn angeboten. Den Auftakt machte der Fachdiskurs »Elektrifizierung betrieblicher Flotten in der Praxis«. Schon die Grußworte von Prof. Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung und Prof. Wilhelm Bauer, Institutsleiter von Fraunhofer IAO, ließen erkennen, dass wir vor gravierenden Veränderungen in Bezug auf die Organisation des innerstädtischen Wirtschafts- und Warenverkehrs stehen. Die Elektrifizierung der Fahrzeuge ist dabei ein wesentlicher Aspekt.

Zwei Fachvorträge von Fraunhofer-Wissenschaftlern verdeutlichten das Potenzial, aber auch die Herausforderungen, die mit der Elektrifizierung von Betriebsflotten einhergehen. So zeigte Michael Haag (Fraunhofer IAO), dass die meisten Betriebsflotten sich schon heute elektrisch wirtschaftlich betreiben ließen. Das Nadelöhr ist die Ladeinfrastruktur. Hier hat es zwar in den vergangenen Jahren gewaltige Entwicklungsschübe gegeben. Es mangelt jedoch noch immer an Standards, was zu Verunsicherungen auf der Konsumenten-Seite führt, wie Dr. Sabine Wagner (ebenfalls Fraunhofer IAO) in ihrem Beitrag veranschaulichte.

Elektrisch betrieben können aber nicht nur leichte Nutzfahrzeuge, sondern auch schwere LKW. Das war das Thema von Prof. Bernecker von der Hochschule Heilbronn. Dabei mag man sich als Bürger nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn der LKW-Verkehr bis zum Jahr 2050 noch einmal um über 40 Prozent wachsen wird. Allerdings könnte ein Teil der Verkehre künftig – analog zum Schienensystem – über Oberleitungen elektrisch versorgt werden. Die Forschungsarbeiten hierzu sind vielversprechend. Entscheidend dürften die Stromkosten sein, die wiederum maßgeblich vom Staat beeinflusst werden.

 

Die Post fährt heute schon erfolgreich elektrisch

Es folgte ein Vortrag von Markus Döhn, der bei der Deutschen Post / DHL die Elektrifizierung des Lieferverkehrs schon heute praktiziert und für das »Streetscooter-Projekt« verantwortlich ist. Weil die Post auf dem Markt nichts Passendes fand, entwickelte sie mit der RWTH Aachen kurzerhand selber ein Fahrzeugkonzept. Die E-Fahrzeuge werden bereits wirtschaftlich betrieben, nicht zuletzt, weil die Fahrzeugentwicklung exakt auf die Bedürfnisse logistischer Zustellprozesse der Post abgestimmt wurde.

Den Abschluss machte der Beitrag von Thomas Peter Müller, dem Geschäftsführer der NHF Netzgesellschaft Heilbronn-Franken mbH. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass der Strom nicht nur aus der Steckdose kommt, sondern dass die anstehende Elektrifizierung von Fahrzeugen die Energieversorger vor gravierende Herausforderungen stellt. Damit verbunden sind aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle. Aber ohne eine Anpassung der energietechnischen Infrastruktur wird es nicht gehen.

 

Die Veranstaltung jedenfalls machte Lust auf mehr. Der nächste Logwert-Dialog wird daher im Frühsommer auf dem Bildungscampus in Heilbronn stattfinden. Thematisch wird sich die Veranstaltung für ein breites Publikum öffnen. Unter dem Arbeitstitel »Revolution auf der letzten Meile?! Wie neue Logistikkonzepte unser städtisches Leben verändern« soll ein intensiver Austausch zwischen Forschung, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern aus der Region angestoßen werden.